Ankommen

Adventskalender im Mariengässchen
Künstlerisch-architektonische Intervention von Carsten Schade, Maike Häber, Karin Hartmann
Zeitraum: 04.12. – 24.12.2014

„Wem gehört die Stadt?“ liest man häufig im städtebaulichen Diskurs. Wir fragen jedoch: „Wer nutzt die Stadt?“ Und dies im Besonderen zur Adventszeit, einer Zeit der Ankunft. Zu dieser dunklen Jahreszeit wird die Stadt festlich geschmückt und der Weihnachtsmarkt aufgebaut. Man vergisst den Alltag im Glanz der Stadt und des Konsums für eine Weile und die Menschen sind froher Erwartung. In dieser Umgebung wirkt das Mariengässchen wie ein Fremdkörper. Die Diskrepanz zwischen den umliegenden Sehnsuchtsorten und der dunklen Gasse ist gewaltig.

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Schriftzug „woherwohin“ am Eingang zum Mariengässchen | ©Carsten Schade

Konzeptueller Ansatz
Fester Bestandteil unserer Adventszeit ist der Adventskalender. Ab dem 01. Dezember kann man darin 24 Tage lang immer wieder Neues entdecken. Nach diesem Prinzip ist auch die Zwischennutzung des Mariengässchens entworfen. Jedoch wird die ursprünglich private Freude am Entdecken und Erleben hier in der Öffentlichkeit inszeniert, eine Demokratisierung des Adventskalenders. Anders als beim bestehenden Bilder-Adventskalender am Rathaus ermöglicht die Intervention „Ankommen“ ein sinnhaftes Erleben.

Projektaufbau
Ab dem 01. Dezember soll im mittleren Bereich des Mariengässchens ein Sockel installiert werden, auf dem jeden Tag ein anderer Gegenstand gestellt werden soll. Die aufgestellten Objekte sollen funktionsfähige, nicht mehr benutzte Gegenstände sein, wie beispielsweise Einrichtungsgegenstände, Bücher, Spielzeug, Skateboard, Rollator usw. Wie beim Adventskalender mag man im Vorhinein zwar Vermutungen über das nächste aufgestellte Objekt anstellen. Doch bleibt die Spannung und somit der Anreiz bestehen, die eigenen Vermutungen immer wieder vor Ort zu überprüfen. Dies führt zu einer wiederkehrenden Begehung der Gasse durch neugierig gewordene Menschen.
Die räumliche Fokussierung auf den Knickbereich der Passage soll mit besonderer Beleuchtung hervorgehoben werden und diesen als eigenen Raum betonen. Zusätzliche Spiegelwände sollen so positioniert werden, dass eine Sichtverbindung zwischen dem Marienplatz und dem Königsplatz hergestellt wird, in dessen Mittelpunkt sich der Sockel mit den wechselnden Gegenständen befindet.

Tag 4 | Schlittschuhe

Tag 4 | Schlittschuhe

Hintergedanke
Die Objekte in der Mitte der Gasse sind eine Hürde, die zum Herausnehmen der Geschwindigkeit in der Passage führt. Sie bewirken, dass man mit den Gedanken beim Ort „ankommt“ und ihn bewusst wahrnimmt. In diesem „Ankommen“ besteht eine weitere gedankliche Brücke zum Advent, nämlich der Verweis auf dessen etymologische Bedeutung: lat. adventus „Ankunft“. Der Ort des kurzen Innehaltens und Betrachtens in der sonst so hektischen und auf Konsum ausgerichteten Vorweihnachtszeit überlagert die Funktion der Gasse als Passage. Die benutzten Gegenstände werfen Fragen der Nachhaltigkeit sowie des Eigentums auf. Und es bleibt ein Experiment, inwieweit die einzelnen Objekte von Passanten/Innen angeeignet werden.

Darüber hinaus wird durch die Spiegel ein visionärer Eingriff in der Stadt vorgenommen, indem erstmals eine direkte Sichtverbindung vom Marienplatz zum Königsplatz ermöglicht wird, die die Diskussion um den Erhalt der Passage positiv beleben kann.

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